Das Selbst

Der innere Kritiker 

Fast jeder Mensch kennt diese innere Stimme. Manchmal ist sie leise, manchmal sehr präsent. Sie kommentiert Entscheidungen, bewertet Fehler und erinnert an das, was vermeintlich besser, schneller oder richtiger hätte gemacht werden können.

Der innere Kritiker zeigt sich oft in Gedanken wie:

  • „Das war nicht gut genug.“

  • „Andere können das besser.“

  • „Du hättest dich mehr anstrengen müssen.“

  • „Mach bloß keinen Fehler.“

  • „Was werden die anderen denken?“

Für manche Menschen ist diese Stimme nur gelegentlich wahrnehmbar. Andere erleben sie beinahe täglich und haben das Gefühl, nie wirklich zu genügen – unabhängig davon, was sie leisten oder erreichen.

Wenn die innere Stimme sehr streng wird

Viele Menschen berichten, dass sie mit sich selbst deutlich härter umgehen als mit anderen.

Während sie Verständnis für die Fehler von Freunden, Partnern oder Kindern haben, begegnen sie den eigenen Schwächen oft mit Kritik, Druck oder Enttäuschung.

Häufig zeigen sich dabei:

  • starke Selbstkritik

  • hohe Ansprüche an sich selbst

  • Perfektionismus

  • Angst vor Fehlern

  • Schuldgefühle

  • das Gefühl, nie genug zu sein

  • Schwierigkeiten, eigene Erfolge anzuerkennen

Mit der Zeit kann diese innere Haltung sehr belastend werden.

Woher kommt der innere Kritiker?

Der innere Kritiker entsteht meist nicht von heute auf morgen. Oft entwickelt er sich über viele Jahre hinweg.

Menschen übernehmen bewusst oder unbewusst Botschaften aus ihrem Umfeld, aus ihrer Familie, aus Beziehungen oder aus Erfahrungen, die sie geprägt haben.

Sätze wie:

  • „Streng dich mehr an.“

  • „Das geht noch besser.“

  • „Sei nicht so empfindlich.“

  • „Mach keine Fehler.“

können sich mit der Zeit zu einer inneren Stimme entwickeln, die auch dann noch aktiv ist, wenn die ursprünglichen Personen längst keine Rolle mehr spielen.

Wenn Selbstschutz zu Selbstkritik wird

Interessanterweise verfolgt der innere Kritiker oft eine gute Absicht. Er möchte vor Fehlern, Ablehnung, Kritik oder Enttäuschungen schützen.

Doch was ursprünglich als Schutz gedacht war, wird häufig zu einer dauerhaften Belastung. Statt Sicherheit zu vermitteln, entstehen Druck, Unsicherheit und das Gefühl, ständig etwas beweisen zu müssen.

Ein anderer Umgang mit dem inneren Kritiker

Der innere Kritiker verschwindet meist nicht einfach. Viele Menschen erleben jedoch, dass sich die Beziehung zu dieser inneren Stimme verändern kann.

Oft beginnt dieser Prozess damit, die eigenen Gedanken bewusster wahrzunehmen und zu erkennen, dass der innere Kritiker nur ein Teil der eigenen Persönlichkeit ist – nicht die ganze Wahrheit über die eigene Person.

Häufig verwandte Themen

  • Selbstwertgefühl

  • Selbstmitgefühl

  • Selbstliebe

  • Selbstvertrauen

  • Perfektionismus

  • Das innere Kind

 

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Christine Schnitzer
Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision
Praxis in Klagenfurt am Wörthersee · Feldkirchen in Kärnten