Das Selbst

Das Innere Kind 

Manchmal reagieren wir stärker auf eine Situation, als wir es selbst verstehen können. Eine Bemerkung verletzt uns mehr als erwartet, eine Zurückweisung beschäftigt uns lange oder wir spüren eine Traurigkeit, die größer erscheint als der eigentliche Anlass.

Viele Menschen erleben solche Momente. Oft entsteht dabei die Frage: Warum berührt mich das so sehr?

Das Konzept des inneren Kindes beschreibt die Vorstellung, dass frühe Erfahrungen, Gefühle und Bedürfnisse auch im Erwachsenenalter noch Einfluss auf unser Erleben haben können.

Frühe Erfahrungen begleiten uns

Jeder Mensch sammelt in seiner Kindheit Erfahrungen. Wir lernen, wie Nähe erlebt wird, wie mit Gefühlen umgegangen wird und ob wir uns gesehen, verstanden und angenommen fühlen.

Viele dieser Erfahrungen werden zu einem selbstverständlichen Teil unserer Persönlichkeit. Andere hinterlassen Spuren, die oft erst viele Jahre später sichtbar werden.

Manche Menschen stellen fest, dass bestimmte Situationen immer wieder ähnliche Gefühle auslösen:

  • Angst, verlassen zu werden

  • das Gefühl, nicht wichtig genug zu sein

  • starke Unsicherheit

  • das Bedürfnis nach Anerkennung

  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen

  • die Sorge, anderen nicht zu genügen

Wenn alte Gefühle in der Gegenwart auftauchen

Das innere Kind ist kein tatsächlicher Teil in uns, sondern ein Bild für die emotionalen Erfahrungen, die wir in jungen Jahren gemacht haben.

Manchmal reagiert ein erwachsener Mensch nicht nur auf das, was gerade passiert, sondern auch auf Gefühle, die aus früheren Erfahrungen vertraut sind.

Dadurch können Situationen besonders intensiv erlebt werden, obwohl sie von außen betrachtet vielleicht unscheinbar wirken.

Sich selbst besser verstehen

Viele Menschen empfinden es als entlastend, die eigenen Reaktionen nicht nur als Schwäche oder Überempfindlichkeit zu betrachten, sondern als Teil ihrer persönlichen Geschichte.

Wer beginnt, die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Verletzungen besser zu verstehen, entwickelt häufig auch einen freundlicheren Blick auf sich selbst.

Mit den eigenen Bedürfnissen in Kontakt kommen

Das innere Kind steht nicht nur für Verletzungen oder schwierige Erfahrungen. Es steht auch für Lebendigkeit, Freude, Neugier, Kreativität und die Fähigkeit, Gefühle intensiv wahrzunehmen.

Sich mit dem inneren Kind zu beschäftigen bedeutet deshalb oft auch, wieder bewusster wahrzunehmen, was einem selbst wichtig ist und was man für ein gutes Leben braucht.

Ein persönlicher Weg

Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb zeigt sich das innere Kind bei jedem Menschen anders.

Manche begegnen ihm in Beziehungen, andere in Momenten von Selbstzweifeln, Traurigkeit oder Unsicherheit. Wieder andere entdecken darin einen Zugang zu mehr Verständnis, Mitgefühl und Verbundenheit mit sich selbst.

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Christine Schnitzer
Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision
Praxis in Klagenfurt am Wörthersee · Feldkirchen in Kärnten